Zeitraum:    2008
Manfred von Ardenne, Episode 4: Das Raster-Elektronenmikroskop
 

01.04.2007 - Manfred von Ardenne, Episode 4: Das Raster-Elektronenmikroskop

Die Euphorie über die phantastischen Möglichkeiten des Ruska’schen Durchstrahlungs-Elektronenmikroskops hatte sich bereits wieder gelegt, als immer klarer wurde, dass dessen theoretisches Auflösungsvermögen durch die klassischen Abbildungsfehler praktisch nicht erreichbar sein würde.

Die thermische Belastung der zu untersuchenden Präparate erforderte zudem sehr aufwändige Präparationsmethoden bei Anwendungen in Medizin und Biologie.

„Aber dann plötzlich – inspiriert durch die Bildzerlegung beim elektronischen Fernsehen – hatte ich am 16. Februar 1937 die spontane Idee für ein völlig neuartiges Abbildungsprinzip“ erinnerte sich von Ardenne später: nicht der intensitäts-modulierte primäre Elektronenstrahl, sondern die von diesem am Objekt erzeugten Sekundärelektronen sollten zur Bildentstehung genutzt werden. „Innerhalb weniger Stunden fixierte ich diesen Gedanken und begann kurz danach mit der gerätetechnischen Umsetzung. Erst dadurch traten die entscheidenden Vorteile des neuen Abbildungsprinzips zutage: die unglaubliche Tiefenschärfe und die vergleichsweise niedrige thermische Belastung der zu untersuchenden Objekte.“

Heute kann man wohl sagen, dass kaum ein anderes technisches Hilfsmittel Materialforschung, Biowissenschaften und Medizin stärker revolutioniert hat als das Raster-Elektronenmikroskop.

Aus: G. Barkleit: Manfred von Ardenne – Selbstverwirklichung im Jahrhundert der Diktaturen, Verlag Duncker & Humblot, Berlin (2006)