
01.09.2007 - 1907 - 2007 | Manfred von Ardenne | Episode 9: Wissenschaftler und Unternehmer in der DDR
Die Rückkehr des hochdekorierten Wissenschaftlers aus der Sowjetunion erfolgte 1955 und wurde von der DDR-Führung als Bekenntnis zum Sozialismus gefeiert. Unter der Bedingung, seinen künftigen Wohnsitz in der DDR zu wählen, war ihm schon 1952 von der UdSSR-Seite die Rückgabe seines gesamten 1945 nach Suchumi verbrachten Eigentums zugesichert worden.
Vor diesem Hintergrund konnte Manfred von Ardenne der SED-Führung unter Ulbricht sogar das Zugeständnis abringen, in Dresden ein Privatinstitut unter seinem Namen zu führen, das bis zum Ende der DDR allen Verstaatlichungsversuchen zum Trotz Bestand haben sollte: 15 Jahre davon mit einem komfortablen Steuerprivileg, das Wachstum und Prosperität ermöglichte, zuletzt mit fast 500 Mitarbeitern, deren überwiegender Teil mit großem Erfolg industrienahe F&E-Projekte realisierte.
Von Ardenne persönlich hatte sich auf Anregung des zweifachen Nobelpreisträgers Otto Warburg seit 1960 einem völlig neuen Arbeitsgebiet zugewandt: dem Kampf gegen die Menschheitsgeißel Krebs.
Als Wissenschaftler in privilegierter Stellung konnte er sich sogar Kritik am Staatssozialismus erlauben, z.B. „weniger Bürokratismus in allen Beschaffungsfragen von Forschung und Entwicklung, mehr Verantwortungsfreudigkeit und Tatkraft ... , mehr Taten und weniger Worte!“ bereits sechs Monate nach seiner Rückkehr nach Dresden - ein Wissenschaftler mit der Sprache des Unternehmers – bewunderte und beneidete Singularität in der ideologiege-prägten DDR-Planwirtschaft!
Aus G. Barkleit: Manfred von Ardenne – Selbstverwirklichung im Jahrhundert der Diktaturen (S.32), Verlag Duncker & Humblot, Berlin (2006)